Das Sammeln von Baedekern

Zu den Büchern selbst - Einbände und Schutzumschläge - Bandinhalte - Worauf man achten muss - BDKR-Erhaltung - Preise

Worauf man achten muss

Degrees of fading

Das Äußere des Buchs

Baedeker waren während der Begleitung ihrer Eigentümer auf deren Reisen bei der Benutzung naturgemäß manch rauher Behandlung ausgesetzt, die dann zu mehr oder weniger merklichen Beschädigungen führte. Oft wurden sie für kleine Notizen benutzt, ja dienten nicht selten als Untersetzer für heiße oder kalte Getränke. Umso erstaunlicher ist es, dass so viele Bände noch heute in recht gutem Zustand zu finden sind.

Zu allererst sollte darauf geachtet werden, ob der Buchrücken oder gar das ganze Buch in seiner Farbe verblasst ist. Normalerweise war die rote Leineneinfärbung recht widerstandsfähig gegenüber Lichteinwirkungen; allerdings gab es hier Unterschiede während der verschiedenen Herstellungsperioden. Möglicherweise stand das Buchregal des Vorbesitzers aber auch vor einem Südfenster... Nicht vergessen werden darf auch der Umstand, daß im Jahre 1889 versuchsweise einige Ausgaben in rosafarbenem ediert wurden.

Qualities of gilding

Ein weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal stellt die Brillanz der Goldschrift dar. Zumeist leuchtet der Einbandtext noch in seinem ursprünglichen „Gold“. Bei einigen Ausgaben, besonders in den 1920er Jahren, war aber offensichtlich nur minderwertiges Material verfügbar, was zu einer deutlichen Einbuße bei der Qualität der Goldfarbe und damit ihrem allmählichen Verblassen führte. Das Bild rechts zeigt zwei Ausgaben mit – historisch gesehen – fast demselben Alter. Während jedoch die Ausgabe von Nordamerika aus dem Jahre 1904 in der Einbandbeschriftung für ein Alter von über 100 Jahren noch sehr ansprechend wirkt, ist bei der Ausgabe von Norwegen, Schweden und Dänemark von 1912, die sicher erst in den 1920er Jahren aufgebunden wurde, der Titel kaum noch erkennbar.

Damage to spine

Der empfindlichste und Beschädigungen am meisten ausgesetzte Teil des Buches ist sein Rücken, der damit auch die meisten Mängel aufweist. Diese beginnen mit Aufplatzungen entlang der Gelenke und können schließlich zum Abfallen des Rückens führen, wie es hier bei der Ausgabe von Paris zum Teil schon geschehen ist. Dieses Buch ist offensichtlich nicht mehr gut erhalten. Manchmal findet man mehr oder weniger gelungene Versuche zur Neuaufbindung eines Bandes, teilweise unter Verwendung von Teilen des originalen Rückens. Allerdings mindert dies den Wert eines Buches in jedem Falle deutlich.

Es ist stets empfehlenswert, einen Blick auf die Innenseite des Einbands zu werfen, der manchmal äußerlich intakt erscheint, während die Innenspiegel von den Vorsatzblättern abgetrennt sind. Dies ist ein Zeichen dafür, dass das Buch beginnt, auseinanderzufallen. Ungeachtet dieses Problems kann ein solches Buch jedoch, eine äußerlich ansprechende Einbindung vorausgesetzt, gut als Belegexemplar dienen, wenn es in diesem Zustand vorsichtig behandelt und nicht weiteren Beschädigungen ausgesetzt wird.

Der Buchinhalt

Short map tear

Vor allen anderen Dingen – und darauf kann nicht oft genug hingewiesen werden - ist beim Erwerb zu kontrollieren, ob alle Karten und Pläne vorhanden sind. Viel zu oft wurden von den Besitzern schöne Landkarten entfernt, um sie separat zu benutzen oder als Wandschmuck zu verwenden. Es ist sogar festzustellen, dass Karten aus den Bänden entfernt werden, um sie im Handel als Einzelstücke mit einem größeren Gewinn zu veräußern, als sich bei einem Verkauf des kompletten Baedekers hätte erzielen lassen. Unnötig darauf hinzuweisen, dass diese Praxis keinerlei Billigung durch die Sammlerschaft finden kann.

Die Karten und Panoramen sind sehr oft raffiniert gefaltet, größere Karten erscheinen uns gar als Wunder der „Papier–Ingenieurskunst“. Man stelle sich auch nur die Mühewaltung vor, die zur Herstellung und Einbindung jeder Karte am rechten Ort in einem Band erforderlich war. Jedoch hat die mitunter komplizierte Faltung auch ihre Schattenseite: Beim Gebrauch entstehen leicht kleinere Schäden. So geschieht es beim eiligen Zusammenfalten der Karten vor Ort, dass diese nicht wieder in der ursprünglichen Art und Weise in das Buchinnere gelangen. Das wäre nicht allzu schlimm, wenn sie nicht dadurch oft aus dem Buchblock herausragen würden und dann beim Transport und der weiteren Benutzung des Bandes sehr leicht beschädigt werden. Diesen kleinen Schäden kann nicht abgeholfen werden, kleinere Gebrauchsspuren muss der Sammler hier also akzeptieren.

Abschließend ist zu überprüfen, ob zu einer Ausgabe eine - in den verschiedensten Ausführung vorkommende - Beilage gehört, wobei in der Regel die gebundenen Anhänge noch eher vorhanden sind, als die losen, die sehr häufig fehlen.

Der Erhaltungszustand entsprechend "BDKR"

Mit dieser Seite soll ein Standard dahingehend gesetzt werden, in welchem Erhaltungszustand ihr Autor selbst Baedeker als für ihn „gut sammelwürdig“ einschätzt. Dieser Standard wird auch den Preisorientierungen auf den Seiten zu den einzelnen Ausgaben zu Grunde gelegt. Der Standard ist weit entfernt von "verlagsfrisch" oder "ausgezeichnet" – alte Baedeker werden kaum in verlagsfrischer Erhaltung gefunden werden können. Und nicht zuletzt machen die Spuren eines zwar sichtbaren, aber vorsichtig vorgenommenen Gebrauchs bei einem alten Buch eine nicht uninteressante Seite seines Charakters aus. Manchmal kann man dabei in den Büchern auch eingelegte Theaterprogramme oder Eintrittskarten für Museen finden, ein andermal hat jemand eine wichtige Telefonnummer oder Ort und Zeit eines Treffens auf das Vorsatzblatt geschrieben. Und auch diese Dinge machen aus meiner Sicht den Charme eines alten Baedekers aus.

Es gibt jedoch gewisse Mindestanforderungen, die an einen Baedeker in "BDKR–Erhaltung" zu stellen sind:

Der Buchrücken muss intakt sein, es sei denn, die Ausgabe erschien vor etwa 1880, aber auch dann sollten lediglich die Gelenke beeinträchtigt sein - nicht akzeptabel wären hier größere Brüche. Der Rücken sollte auch nicht übermäßig ausgeblichen sein. Dagegen kann die Goldschrift etwas verblasst sein – dies ist bei einigen Ausgaben unvermeidbar.

Es können auch einige Flecken auf dem Buchdeckel vorhanden sein, wenn diese nicht zu aufdringlich sind, jedoch möglichst keine auf den Buchseiten. Akzeptabel sind gelegentliche Bleistiftnotizen, nicht jedoch solche mit Tinte, ausgenommen der Name des Besitzers. Einige Stockflecken sind bei älteren Ausgaben hinzunehmen, jedoch führt jeder Papierverlust zu einer Wertminderung.

Alle Karten, Pläne und Panoramen müssen ebenso vorhanden sein, wie eingebundene Anhänge. Der Verlust von losen Beilagen ist zu tolerieren, vor allem dann, wenn diese bekanntermaßen selten vorhanden sind. Normalerweise darf der Band keine losen Karten oder Seiten aufweisen; wenn er jedoch sehr alt ist, muss hier eine Ausnahme gemacht werden. Bei den gefalteten Karten oder Panoramen dürfen nur kleinere Risse vorkommen.

Ein Buch, das alle diese Erhaltungsanforderungen erfüllt, würde im angelsächsischen Antiquariatshandel wahrscheinlich als "gut bis sehr gut erhalten" oder mit der Note "2" im deutschsprachigen Raum bezeichnet werden.

Die Preisfindung

Auf dieser Internetseite wurde für jede Ausgabe ein Richtpreis festgelegt, der für einen Baedeker in "BDKR–Erhaltung" bei einem Buchhändler bezahlt werden muss, der sich bei diesen Büchern ausreichend auskennt. Natürlich gibt es viele Gründe für eine Abweichung von diesem Preis im alltäglichen Antiquariatsgeschäft. So verfügen einige Buchhändler über große Lagerbestände an Baedekern und lassen sich die Möglichkeit für den Sammler, eine von ihm gesuchte Ausgabe auf Anhieb zu finden, entsprechend bezahlen. Wiederum sind andere Antiquare nicht besonders interessiert an Baedekern oder können ihr Ladengeschäft zu besonders günstigen Bedingungen betreiben, so dass sie einen geringeren Verkaufspreis kalkulieren. Deshalb seien die hier genannten Preise "cum grano salis" betrachtet.

In jedem Falle ist es extrem schwierig, für die wirklich seltenen Ausgaben mit einem Richtpreis von etwa 1.000 € oder mehr einen genauen aktuellen Marktpreis festzulegen, weil diese ganz einfach so selten auftauchen, daß Durchschnittswerte kaum auszumachen sind.

Die Richtpreise wurden auf der Grundlage einer Marktbeobachtung von annähernd 10.000 Bänden im Herbst und Winter 2004/ 2005 ermittelt. Um auch für die sehr seltenen Ausgaben näherungsweise einen angemessenen Preis festzulegen, wurden auch die in der als Standardwerk auf diesem Gebiet geltenden Baedeker–Bibliografie von Hinrichsen (1988) enthaltenen Preisangaben mit herangezogen. Dabei ist übrigens anzumerken, dass einige Ausgaben seit den 1990er Jahren stärker nachgefragt werden. Und es scheint auch, dass einige Deutschland–Bände im Vergleich zu einigen Städte–Ausgaben (besonders Paris) seitdem etwas stärker im Preis gestiegen sind. Die ältesten Ausgaben haben sich dabei preismäßig deutlich entfernt von ihren jüngeren Nachfolgern.

Die Preise auf Online–Auktionen variieren naturgemäß sehr stark. Es wurden hier alle Ergebnisse ungeachtet der Erhaltung der Bände berücksichtigt. Aber selbst für Baedeker, die augenscheinlich in etwa gleich gut erhalten sind, werden höchst unterschiedliche Auktionspreise erzielt. Dies kann zum einen mit der jeweiligen Präsentation des Bandes in der Auktion durch den Verkäufer und zum anderen mit der Anzahl der jeweiligen Mitbieter zusammenhängen.

Offensichtlich geben die Auktionspreise umso eher eine brauchbare Orientierung für den Sammler, je mehr Verkäufe bei einer Ausgabe bisher Berücksichtigung finden konnten. Danach lässt sich im allgemeinen feststellen, dass die Auktionspreise etwa bei einem Drittel des Richtpreises nach der "BDKR–Erhaltung" liegen, obgleich sie diesen bei seltenen Ausgaben durchaus erreichen können.

London
© 2004-15 bdkr.com  

bdkr.com P.O.Box 119 Cranbrook Kent TN18 5WB United Kingdom